Ukraine verkündet Beginn der Offensive zur Rückeroberung von Cherson

Am Montag kündigten die Regierung und das Militär der Ukraine den Beginn einer Gegenoffensive gegen die russischen Truppen an. Im Mittelpunkt steht dabei die Rückeroberung der Stadt Cherson im Süden des Landes.

Die Sprecherin des ukrainischen Südkommandos, Natalia Humenjuk, erklärte: „Heute haben wir Offensiven in mehrere Richtungen gestartet, u.a. in der Region Cherson.“ Präsident Wolodymyr Selenskyj drohte in seiner Ansprache am Montagabend: „Wenn die russischen Soldaten überleben wollen, ist es jetzt Zeit für sie zu fliehen. Die Besatzer sollten wissen, dass wir sie an die Grenze vertreiben werden. An unsere Grenze, deren Verlauf sich nicht geändert hat.“

Am Sonntag soll Selenskyj ein geheimes Treffen mit Vertretern des ukrainischen Verteidigungs- und Sicherheitssektors abgehalten haben, an dem die Leiter der Streitkräfte, der Geheimdienste, des Verteidigungs- und des Innenministeriums und der ukrainischen Sicherheitsbehörden sowie andere Verteidigungskräfte teilnahmen.

CNN berichtete am Montag unter Berufung auf eine anonyme Quelle im ukrainischen Militär, dass „die Operation in der Nacht mit einem massiven Beschuss der russischen Stellungen und des Hinterlandes begann“. Die Quelle behauptete auch, das ukrainische Militär habe vier Dörfer in der Region Cherson eingenommen.

Die russischen Behörden wiesen diese Behauptungen anfangs zurück und erklärten, es handele sich nur um eine „virtuelle Offensive“, mit der sich die Ukraine zusätzliche militärische Unterstützung durch die Nato sichern wolle. Doch am Montagabend berichteten die russischen Medien, das ukrainische Militär habe bei seiner „versuchten Gegenoffensive“ in den Regionen Cherson und Nikolajew schwere Verluste erlitten. Laut dem russischen Verteidigungsministerium hat das ukrainische Militär 560 Soldaten, 26 Panzer und zwei Kampfjets des Typs SU-25 verloren.

Die russischen Medien berichteten außerdem, die Stadt Nowa Kachowka in der Region Cherson habe unter starkem Beschuss des ukrainischen Militärs gelegen. Die Stadt liegt direkt am Dnepr und wurde fast seit Beginn der russischen Invasion im Februar von der russischen Armee als Logistikzentrum benutzt. Berichten zufolge hat das ukrainische Militär mit HIMARS-Raketenwerfern aus amerikanischer Produktion auf das Elektrizitäts- und das Wasserwerk der Stadt geschossen, so dass die Strom- und Wasserversorgung für die fast 46.000 Einwohner der Stadt unterbrochen werden musste.

Im Vorfeld der derzeitigen Offensive hatte das ukrainische Militär mit Unterstützung durch Washington wochenlang Angriffe auf Militärbasen und Munitionslager auf der Halbinsel Krim geführt, die im März 2014 von Russland annektiert worden war. Am 20. August wurde Darja Dugina, die Tochter des rechtsextremen russischen Ideologen und Kriegsbefürworters Alexander Dugin, durch eine Autobombe getötet, die offensichtlich auch ihren Vater töten sollte. Diese Angriffe waren der Versuch, Russland zu einer militärischen Reaktion zu provozieren, um der Nato eine Rechtfertigung für die Ausweitung und Eskalation des Kriegs zu liefern. Die militärischen Angriffe auf die Krim sollten zudem Russlands Luftflotte und Militärlogistik im Vorfeld der aktuellen Offensive schwächen.

Die Ukraine galt jahrelang als das ärmste Land Europas. Ohne die Waffen und die Finanzierung durch die Nato, und vor allem durch die USA, wäre keins ihrer militärischen Vorhaben möglich gewesen. Inmitten einer Rekordinflation hat Washington alleine seit Februar etwa 50 Milliarden Dollar für Waffen für die Ukraine ausgegeben, gleichzeitig alle Hilfsfonds für Covid-19 gestrichen und die Sozialleistungen für Millionen von Amerikanern gekürzt. Letzten Mittwoch sagte Biden weitere drei Milliarden Dollar für Waffen und Munition für mindestens drei weitere Jahre zu.

Die US-Medien bejubeln das ukrainische Militär natürlich schamlos. Die New York Times veröffentlichte am Sonntag einen Artikel, der sich größtenteils wie Werbung für die US-Rüstungskonzerne und das ukrainische Militär las. Darin lobte sie die „Gerissenheit“ und die „genialen technischen Fähigkeiten“ der ukrainischen Soldaten, die es schaffen, hochmoderne US-Waffen mit ihren jahrzehntealten Panzern und Militärausrüstung aus Sowjetzeiten zu kombinieren.

Die Realität hinter dieser von den USA finanzierten und bewaffneten „Gerissenheit“ ist ein schreckliches Blutbad. Laut den USA hat die russische Armee 80.000 Soldaten verloren. Schätzungen der ukrainischen Todesopfer gehen ebenfalls in die Zehntausende. Ukrainische Regierungsvertreter gaben zu Anfang des Sommers selbst zu, täglich bis zu 500 Soldaten zu verlieren. Vor mehreren Wochen und bei vermutlich bereits tausenden Toten schrieb die Washington Post Ende Juni, der Krieg in der Ukraine sei auf dem besten Weg, sich zu einem der blutigsten in der modernen Geschichte zu entwickeln. Neben den zehntausenden Toten und Verwundeten sind mehr als ein Viertel der zutiefst verarmten ukrainischen Bevölkerung von 38 Millionen durch den Krieg zu Flüchtlingen geworden.

Dem US-Imperialismus, der im Nahen Osten und Nordafrika ganze Gesellschaften zerstört hat, ist es völlig gleichgültig, wie viele Zehn- oder Hunderttausende oder sogar Millionen von Ukrainern und Russen in diesem Krieg sterben werden.

Die Socialist Equality Party betonte in ihrer Parteitagsresolution „Mobilisiert die Arbeiterklasse gegen imperialistischen Krieg!“: „Der Krieg gegen Russland ist die Fortsetzung und Intensivierung des Strebens der USA nach globaler Vorherrschaft, das mit der ersten Invasion im Irak 1990/91 begonnen und nach der Auflösung der UdSSR im Dezember 1991 intensiviert wurde. Wenn Biden erklärt, dass Putin nicht an der Macht bleiben kann, offenbart er damit die grundlegenden Ziele des Krieges: die Beseitigung des gegenwärtigen Regimes in Russland, seine Ersetzung durch ein von den USA kontrolliertes Marionettenregime und die Zerschlagung Russlands in ein Dutzend oder mehr ohnmächtige Kleinstaaten, deren wertvolle Ressourcen dem US-amerikanischen und europäischen Finanzkapital gehören und von ihm ausgebeutet werden sollen.

Mit extremer Skrupellosigkeit riskiert der amerikanische Imperialismus einen Atomkrieg, der dazu führen könnte, das menschliche Leben auf dem Planeten auszulöschen. Die Zerstörung Russlands und die Kontrolle der eurasischen Landmasse, ein lange gehegtes geostrategisches Ziel des US-Imperialismus, wird vom Pentagon und der CIA als wesentliche Vorbereitung und Teil eines Angriffs auf China betrachtet. Was Lenin während des Ersten Weltkriegs als ,Neuaufteilung der Welt‘ bezeichnete, ist nun im Gange. Der US-Imperialismus beabsichtigt, die Karte des Globus neu zu zeichnen.“

Diese Einschätzung hat sich durch die Entwicklung der letzten Wochen seit der Verabschiedung der Resolution bestätigt. Neben der rücksichtslosen Eskalation des Kriegs gegen Russland in Osteuropa hat Washington auch seine Anstrengungen verstärkt, um einen offenen militärischen Konflikt mit China zu provozieren. Ähnlich wie Russland zum Krieg in der Ukraine provoziert wurde, soll auch China zu einem Krieg gegen Taiwan provoziert werden.

Nachdem die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi in einem unglaublich provokanten Schritt am 2. August nach Taiwan gereist war, sandten die USA am Sonntag zwei Kriegsschiffe durch die Taiwanstraße.

Am Montagabend berichtete Politico, die Biden-Regierung wolle den Kongress offiziell um die Genehmigung eines Waffenverkaufs in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar an Taiwan bitten. Laut Politico umfasst das noch nicht fertiggestellte Paket u.a. „60 Raketen des Typs AGM-84L Harpoon Block II für 355 Millionen Dollar, 100 taktische Luft-Luft-Raketen vom Typ AIM-9X Block II Sidewinder für 85,6 Millionen Dollar und 655,4 Millionen Dollar für die Vertragsverlängerung für ein Überwachungsradarsystem“.

Russland und China werden vom 1. bis zum 7. September gemeinsam die Militärübungen WOSTOK-2022 im russischen Fernen Osten abhalten. Es wird erwartet, dass Indien und mehrere ehemalige Sowjetstaaten sowie Nicaragua und Syrien an den Militärübungen teilnehmen werden.

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