Wachsende Unterstützung für den Aufbau von Solidaritätskomitees, um Arbeitern im Volvo-Trucks-Streik zu helfen

Wie Reporter der World Socialist Web Site festgestellt haben, stößt der Aufruf zum Aufbau eines Netzwerks von Solidaritätskomitees für den Streik von fast 3.000 Arbeitern bei Volvo Trucks in Dublin (Virginia) überall in den USA auf große Unterstützung unter Arbeitern.

Ein Arbeiter des Mack-Trucks-Fertigungswerks in Macungie (Pennsylvania) erklärte gegenüber der WSWS: „Ich halte das für eine großartige Idee. ... Ich unterstütze die Arbeiter in Dublin uneingeschränkt. Ich finde, es ist Zeit, dass die Unternehmen aufhören, nur von den Arbeitern zu nehmen und ihnen einen Teil der Profite zurückgeben, die sie mit unserer Arbeit machen.“

Er wies auf den zunehmenden Unterschied zwischen den Einkommen und Interessen der Gewerkschaftsvorstände und denen der einfachen Arbeiter hin: „Dass ihnen die Taschen gefüllt werden, bedeutet nicht, dass unsere es auch werden.“

Die Produktion bei der Volvo-Tochtergesellschaft Mack Trucks ist eng verbunden mit dem bestreikten Volvo-Werk in New River Valley (NRV) in Virginia, wo gestreikt wird. In mehreren Mack-Werken hat der Streik bereits deutliche Auswirkungen auf die Produktion – ähnlich wie im Jahr 2019, als das Werk in NRV wegen des Streiks bei Mack Trucks zum Stillstand gebracht wurde. Die United Auto Workers (UAW) hat jedoch für die Arbeiter der beiden Tochtergesellschaften unterschiedliche Tarifverträge mit unterschiedlichen Laufzeiten ausgehandelt, um sie voneinander zu isolieren.

Der Streik im Volvo-Werk in New River Valley ist bereits der zweite in diesem Jahr. Er entstand aus einer Rebellion der Arbeiter gegen die unternehmensfreundliche Gewerkschaft UAW. Die Arbeiter haben zweimal von der UAW ausgehandelte Tarifverträge, die beträchtliche Zugeständnisse beinhalteten, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Dabei ließen sie sich auch nicht von den Einschüchterungsversuchen nationaler, regionaler und lokaler UAW-Funktionäre wie dem Schatzmeister und Leiter der Lastwagensparte, Ray Curry, beirren.

Die Arbeiter im NRV-Werk haben das Volvo Workers Rank-and-File Committee (VWRFC) gegründet, um Widerstand gegen die gemeinsamen Versuche des Unternehmens und der UAW zu leisten, ihnen Zugeständnisse bei Löhnen, Gesundheitsversorgung und Arbeitsbedingungen aufzuzwingen. Das Komitee hat die führende Rolle bei der Organisation des Widerstands gegen die beiden Ausverkäufe gespielt. Letzte Woche hat es einen eindrucksvollen offenen Brief veröffentlicht, in dem es die UAW aufforderte, ihren Plan für den Streik bekanntzugeben. Ferner forderte das Komitee beträchtliche Verbesserungen bei Löhnen, Zusatzleistungen und Arbeitsbedingungen.

Die UAW hat von Anfang an versucht, den Kampf zu isolieren. Sie veröffentlichte weder auf ihrer nationalen Website noch auf ihrer Facebook-Seite etwas über den Ausstand und hielt die streikenden Arbeiter darüber im Unklaren, was sie angeblich mit Volvo „verhandelt“ und wodurch sich der Inhalt der Verhandlungen von den letzten beiden Abkommen unterscheidet. Die Gespräche zwischen UAW und Volvo wurden nominell am Mittwoch fortgesetzt, die Gewerkschaft hat jedoch nichts über den Inhalt ihrer Diskussionen mit dem Unternehmen verlauten lassen.

Das Schweigen der UAW über den Streik ging Hand in Hand mit einer fast vollständigen Nachrichtensperre der landesweiten Medien. Die meisten Arbeiter, einschließlich der UAW-Mitglieder, die mit der WSWS sprachen, wussten überhaupt nichts von einem Streik oder hatten erst vor Kurzem nur über die WSWS davon erfahren.

Die Arbeiter äußerten sich besonders begeistert über den Vorschlag der WSWS, dass die Solidaritätskomitees angesichts von 780 Millionen Dollar in der UAW-Streikkasse eine deutliche Erhöhung des Streikgelds fordern. Derzeit zahlt die UAW nur 275 Dollar pro Woche, d.h. weniger als den wöchentlichen Mindestlohn. Gleichzeitig beziehen jedoch Hunderte Bürokraten in ihrem irreführend „Solidarity House“ genannten Hauptsitz aufgeblähte Gehälter von durchschnittlich mehreren tausend Dollar.

Ein anderer Arbeiter von Mack Trucks in Macungie erklärte: „Ehrlich gesagt, halte ich es jetzt für das Wichtigste, dass die Gewerkschaft sie voll bezahlt. ... Sie haben Volvo im Nacken, jetzt sollten sie nicht auch noch gezwungen sein, gegen ihre eigene Gewerkschaft zu kämpfen. Sie haben ihre Mitgliedsbeiträge gezahlt und sich darauf verlassen, dass die UAW in Zeiten der Not für sie da ist. Jetzt sind sie in Not, und die Gewerkschaft, die sie dafür bezahlt haben, dass sie sie schützt, lässt sie hängen.“

Der Arbeiter erklärte, sie interessierten sich für die Idee eines Solidaritätskomitees in dem Werk: „Ich glaube, alle müssen sich in die gleiche Richtung bewegen, damit es Sinn ergibt.“

Auch unter Lesern des Autoworker Newsletter in der amerikanischen Autoindustrie herrscht große Unterstützung. Ein Arbeiter aus dem Ford-Fertigungswerk in Louisville (Kentucky) erklärte: „Ich werde diese Erklärung auf Facebook posten. Ihr macht mehr für die Gewerkschaftsmitglieder als die UAW auf nationaler und lokaler Ebene. Es hat sich nichts geändert, seit sie [die ehemaligen Präsidenten Gary Jones und Dennis Williams] ins Gefängnis gesteckt haben...“

Über die Analysen der Steuererklärungen der UAW durch die WSWS erklärte er: „Ich habe eure Artikel über die LM-2-Berichte gelesen. Das können sie sich nicht zurechtlügen. Macht weiter so.“ Die Analysen haben ergeben, dass für UAW-Funktionäre mehrere Millionen Dollar ausgegeben wurden, und Hunderte von ihnen verdienen sechsstellige Gehälter.

Mitglieder des Faurecia Gladstone Rank-and-File Safety Committee im Autozuliefererbetrieb in Columbus (Indiana), wo Katalysatoren und Auspuffsysteme für Volvo-Lastwagen hergestellt werden, haben Artikel über den Streik in ihrem Werk verbreitet. Ein Unterstützer des Komitees erklärte am Mittwoch gegenüber der WSWS, die Versuche der Medien und der Gewerkschaften, die Streikenden zu isolieren, seien im Scheitern begriffen, die Unterstützung für den Streik nehme zu.

Er erklärte: „Die Streikenden bei Volvo stehen vor den gleichen Problemen wie wir alle, wenn es um die Gewerkschaften geht, egal ob wir Autoarbeiter, Lehrer oder Bergarbeiter sind. Die Gewerkschaft tut nichts für ihre Mitglieder, sie arbeitet für das Unternehmen, und das muss aufhören. Dieses geringe Streikgeld zeigt, was für Verbrecher die Gewerkschaften leiten.

Die Gewerkschaft hat fast 800 Millionen Dollar in ihrer Streikkasse. Die Streikenden sollten ihren vollen Lohn erhalten. Sie haben an diese Gewerkschaft Mitgliedsbeiträge bezahlt, und jetzt werden sie über den Tisch gezogen. Das ist Betrug!

Hier hören immer mehr Leute von dem Streik bei Volvo, und alle sind dafür. ... Hier bei Gladstone entwickelt es sich genauso: es wird länger gearbeitet, aber die Leute bekommen nicht so viel bezahlt, wie sie sollten. Diese Unternehmen fordern immer mehr Zugeständnisse. Deshalb müssen wir anfangen, im ganzen Land solidarisch zusammenzustehen.“

Am Donnerstag verteilten Unterstützer des Autoworker Newsletter der WSWS im Stellantis-Fertigungswerk Sterling Heights (SHAP) in einem Vorort von Detroit Flugblätter mit dem Aufruf zur Bildung von Solidaritätskomitees.

Die Stellantis-Arbeiter waren begierig, von dem Streik zu hören und bedankten sich bei der WSWS für die Informationen. Viele von ihnen wussten aufgrund der Nachrichtensperre der UAW und der Mainstream-Medien nichts von dem Streik. Nachdem die Reporter der WSWS zahlreiche Flugblätter vor den Werkstoren verteilt hatten, wurden sie von Mitarbeitern des Wachdienstes Securitas weggeschickt. Später verständigten die Wachleute die Polizei, obwohl die Aktivisten auf einem öffentlichen Bürgersteig standen.

Trotz der Einschüchterungsversuche verteilten die Unterstützer der WSWS weiterhin die Erklärung. Arbeiter, die in ihren Autos ins und aus dem Werk fuhren, nahmen begeistert Ausdrucke davon an. Eine Arbeiterin nahm das Flugblatt mit den Worten: „Verdammt, ja sicher unterstütze ich sie.“ Auf die Frage, wie sie von dem Streik erfahren habe, erklärte sie: „Ich habe auf der World Socialist Web Site darüber gelesen.“

Ein anderer Arbeiter nahm das Flugblatt und fragte: „Warum war die Polizei da?“ Der Aktivist antwortete: „Stellantis hat sie geholt, weil sie nicht wollen, dass die Arbeiter etwas von diesem Streik erfahren. ... Die UAW will es auch nicht.“ Darauf fragte der Arbeiter: „Warum nicht?“, und der Aktivist erklärte: „Weil die Volvo-Arbeiter zwei Tarifverträge, die die UAW ausgehandelt hat, mit 90 Prozent abgelehnt haben. Sie wollen nicht, dass die Arbeiter bei Stellantis auch gegen die UAW rebellieren.“ Darauf antwortete der Arbeiter: „Ah, jetzt verstehe ich.“

Stellantis wurde durch die Fusion des italienisch-amerikanischen Autokonzerns Fiat Chrysler und des französischen Konzerns PSA Group gegründet. Der ehemalige UAW-Vizepräsident General Holiefield hatte in den Jahren 2007, 2009 und 2011 eine Reihe von Zugeständnissen an Fiat Chrysler gemacht, durch die das Zwei-Stufen-Lohnsystem eingeführt, der Lohn von neu eingestellten Arbeitern halbiert und die „alternative“ zehnstündige Arbeitsschicht eingeführt wurde, die zur faktischen Abschaffung des Achtstundentags führte. Als Leiter der Abteilung Lastwagen der UAW hatte Holiefield im Jahr 2008 den zweimonatigen Streik bei Volvo Trucks ausverkauft und 2008 und 2011 Deals unterzeichnet, die zur Einführung und Ausweitung des mehrstufigen Lohnsystems führten.

Später wurde bekannt, dass Holiefield und seine Frau mehr als 1,2 Millionen Dollar Bestechungsgelder von Fiat-Chrysler-Vorständen als Gegenleistung für ihre Unterschrift unter den unternehmensfreundlichen Tarifvertrag erhalten hatten. Holiefield starb im Jahr 2015, bevor er für seine Verbrechen verurteilt werden konnte.

„Das waren dieselben Verbrecher?“ fragte ein junger Stellantis-Arbeiter, als ein Aktivist ihm erklärte, dass Holiefield die Tarifverträge bei Fiat Chrysler und Volvo ausgehandelt hat. Als er hörte, dass die Arbeiter bei Volvo Trucks für die Abschaffung des Zwei-Stufen-Lohnsystems kämpfen und die Einführung eines Zehn-Stunden-Tages verhindern wollten, erklärte er: „Das ist großartig. Wir sollten sie alle unterstützen.“

Ein anderer SHAP-Arbeiter erklärte gegenüber der WSWS, eine Erhöhung des Streikgelds sei „mehr als gerecht. ... Was sind 275 Dollar, wenn sie Millionen für die Verteidigung von ehemaligen UAW-Präsidenten ausgeben, die im Gefängnis sitzen und gelogen haben? Die Streikenden sollten 900 Dollar pro Woche bekommen, dafür ist die Streikkasse da.“

Er zog Parallelen zwischen den Bedingungen bei Volvo und seinem Werk: „Momentan überschneiden sich unsere Schichten bei SHAP“, weil das Unternehmen am Montag die gestaffelten Schichten und andere Sicherheitsmaßnahmen abgeschafft hat: „Wir sind um 21:30 Uhr noch da, gleichzeitig kommt Schicht C ans Band. Der Parkplatz ist ein einziges Chaos. Wir tragen noch immer Masken und testen uns, aber es gibt keine Temperaturkontrollen, keine Reinigung. Das wurde alles gestrichen, damit wir eine halbe Stunde länger Lastwagen bauen können und die Produktion nie stillsteht.“ Anfang des Jahres hatte es in SHAP einen massiven Ausbruch von Covid-19 gegeben, bei dem mehr als zehn Prozent der Belegschaft von mehr als 7.000 zeitgleich im Krankenstand waren.

Weiter erklärte er: „Wir arbeiten noch immer an drei Samstagen im Monat [erzwungene Überstunden]. Die Leute sind wütend, weil wir in Gefahr gebracht werden, weil es keine Temperaturmessungen mehr gibt und nicht saubergemacht wird. Wir arbeiten noch enger als sonst zusammen, damit sie mehr Lastwagen bekommen.“

Auch Arbeiter aus anderen Branchen schickten Unterstützungserklärungen.

Ein führendes Mitglied des Amazon Workers Rank and File Safety Committee in Baltimore forderte die Gründung neuer Arbeiterorganisationen in der Autoindustrie und anderen Branchen: „Der UAW sind ihre Mitglieder völlig egal. Sie hat eine Agenda. Warum tritt man einer Gewerkschaft bei? Soweit ich es von Arbeitern aus anderen Branchen höre, und wenn ich mir die Geschichte ansehe, was Arbeiter bekommen könnten und jetzt bekommen, warum soll ich ihnen mein Geld geben und mich darauf verlassen, dass sie mich angemessen vertreten? Man kann ihnen nicht trauen.“

Das Amazon-Komitee aus Baltimore veröffentlichte eine Erklärung, in der es den Kampf der Volvo-Arbeiter unterstützt und die Arbeiter bei Volvo und Mack Trucks aufruft, „auf die World Socialist Web Site zuzugehen und die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, die euch die UAW auferlegt hat“. Weiter heißt es: „Wenn Riesenkonzerne wie Amazon in diesen Kampf eingreifen dürfen, um den Lebensstandard der Arbeiter zu senken, dann ist es die Pflicht der Arbeiter, in ihrem eigenen Interesse für eine Erhöhung zu intervenieren.“

Eine registrierte Pflegerin in Kalifornien schrieb der WSWS über den Streik: „Ich unterstütze den mutigen Kampf der Volvo-Arbeiter gegen den gierigen multinationalen Volvo-Konzern und die korrupte United Auto Workers (UAW). Sie stehen vor den gleichen Problemen, die Pflegekräfte wie ich mit gierigen Krankenhauskonzernen und den Pflegekräfte-Gewerkschaften haben. Die Bürokraten der Pflegekräfte-Gewerkschaft arbeiten mit den Krankenhausverwaltungen zusammen, um den Widerstand der Pflegekräfte zu unterdrücken. Sie treffen sich heimlich hinter dem Rücken der Pflegekräfte, um über Zugeständnisse bei Löhnen, Zusatzleistungen, Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten, Arbeitsbedingungen und Patientenschutzmaßnahmen zu verhandeln.“

Sie fügte hinzu: „Es ist Zeit, dass die Arbeiterklasse in den USA und im Rest der Welt vereint gegen die mörderische Herdenimmunitätspolitik kämpft, die unter Trump begann und von Biden fortgesetzt wurde. Ich unterstütze die Volvo-Arbeiter uneingeschränkt und rufe sie auf, gegen den Volvo-Konzern und die korrupte UAW standfest zu bleiben. Ich sporne alle Autoarbeiter an, Solidaritätskomitees zu gründen, um die Isolation der Volvo-Arbeiter zu durchbrechen und ihre Brüder und Schwestern auf Streikposten zu unterstützen.“

Wir rufen die Arbeiter bei Mack Trucks, in der Autoindustrie und in anderen Branchen dazu auf, sich noch heute einzutragen, um mehr über den Beitritt oder die Gründung eines Solidaritätskomitees zur Unterstützung des Streiks bei Volvo Trucks zu erfahren.

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