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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe "Die Emissionsmessungen von BHP werden manipuliert"Zeugenaussage eines HochofenarbeitersEmonn Brunt, der als Gas-regulierer arbeitet, über-wachte die toxischen Emissi-onen an den berüchtigten alten Hochöfen, Batterie Nr. 3 im BHP Werk in Port Kembla. Wenn ich den Kohlenmonoxydgehalt gemessen habe, habe ich gewöhnlich das Meßgerät unmittelbar vor ein Leck gehalten, und der Zeiger raste die Scala hoch. Stand ich ein Stück weiter weg, erhielt ich Messungen von 400 ppm (Teilchen pro Million). Ein sicherer Standard wäre 35 ppm. Mehr als 200 ppm bedeutet, daß man ständig eine Gasmaske tragen muß. Ich teilte dies dem Management mit. Sie sagten, das sei nicht so schlimm, weil es sich nicht um einen geschlossenen Raum handle. Ich sagte, es sei immerhin über 200. Wenn der Monitor das anzeigt, dann atme ich das auch ein. Das Meßgerät zeigt nur die Kohlenmonoxydkonzentration an. Was sich noch alles in dem Gasgemisch befindet, weiß ich nicht. Ich habe mehrmals zu hohe Gaskonzentrationen abbekommen. Oft wache ich mitten in der Nacht mit stechenden Kopfschmerzen auf. Das tritt meist nach Überstunden auf, wenn ich unter den Öfen am Gas hantiert oder Reinigungs- und andere Wartungarbeiten wie Schmieren, Ölen und Ölwechsel durchgeführt habe. Die Leute, die acht Stunden unter diesen Bedingungen arbeiten, atmen das alles ein. Und jetzt wollen die Unternehmer und die Gewerkschaft auch noch 12-Stunden-Schichten einführen! Ich weiß von Fällen, bei denen Arbeiter die Meßgeräte an die undichten Stellen gehalten und hohe Konzentrationen gemessen haben, aber darüber wurde nichts gesagt. Die Firma gibt weiterhin die Durchschnittswerte bekannt. Früher sollte das Management alle zwölf Monate eine Gesundheitsuntersuchung an den Hochöfen durchführen lassen. Jetzt findet das aus Kostengründen nur noch alle zwei Jahre statt. Peter, der älteste Hochofenarbeiter an der Batterie Nr. 3, war seit längerem nicht mehr untersucht worden. Er starb innerhalb von drei oder vier Monaten an Krebs. Mein Bruder sagte noch zu ihm: ,Das also ist die Gesundheitsfürsorge von BHP! Sie haben nicht erkannt, daß er schon Krebs in fortgeschrittenem Stadium hatte." Emonn Brunt berichtete dann von seinem eigenen Fall. Bei einer Routineuntersuchung war sein Urin als nicht in Ordnung befunden worden. Darauf mußte er auf eigene Kosten einen Spezialisten aufsuchen und 300 Dollar zahlen. Zwar stellte sich heraus, daß er gesund sei, aber als er versuchte, das Geld von BHP zurückzuerhalten, stieß er auf taube Ohren. "Bestimmt gibt es Arbeiter mit Familie, die nicht in der Lage sind, die Untersuchung zu bezahlen, und sie deshalb gar nicht durchführen lassen. Ich ging dann zum Betriebsrat und fragte, ob sie sich dafür einsetzen würden, daß BHP diese Untersuchung bezahlen würde. Aber als Ossie Peres, der zuständige Betriebsrat, hörte, daß der Konzern nicht zahlt, winkte er ab: Es tut mir leid, sagte er. Du hast recht, es ist ein starkes Stück, wenn man dafür sein Geld ausgeben soll. Aber ich habe gerade einen andern Fall, also bis später." Brunt erläuterte dann die Sicherheitsstandards der Hochöfen und die erlaubten Gasemissionen und berichtete, daß die schlimmsten Werte der Batterie 3 in die Berechnung der durchschnittlich erlaubten Gasaustrittsmengen einbezogen werden. Trotzdem gebe es viele Tage, an denen selbst diese hohen erlaubten Werte überschritten würden. "Die Grenzwerte jeder Batterie werden von BHP und der Umweltbehörde in Verhandlungen festgelegt. Sie richten sich nicht danach, was für den Menschen schädlich ist. Sie richten sich danach, was BHP und die Behörde miteinander aushandeln. Wenn nötig werden die Emissionskonzentrationen von BHP manipuliert. Wenn die Behörde Untersuchungen durchführt, werden sie entsprechend niedriger eingestellt. Heutzutage drängt das Unternehmen nach immer höherer Produktivität. Wir hören ständig: Ihr müßt acht, ihr müßt zehn Prozent Profit erbringen. Das letzte war, daß man 15 Prozent verlangt. Um Druck auf uns auszuüben, wurde uns erzählt, die Aktionäre von BHP wollten die Stahlproduktion loswerden, weil sie nicht profitabel genug sei. Meiner Meinung nach hätte die Batterie 3 schon vor Jahren stillgelegt werden müssen. BHP will auch noch den letzten Dollar aus den alten Anlagen herauspressen, bevor sie stillgelegt werden, und sie den Stahl irgendwo im Ausland produzieren lassen. Wir sind nur eine Ware. Das ist die Haltung von BHP gegenüber ihren Arbeitern. Sie kümmern sich nicht um sie, und sie werden das nie tun. Es ist auch ganz offensichtlich, daß sich die Regierung nicht um uns kümmert. Der Stadtrat erst recht nicht, weil BPH ihre Rechnungen bezahlt. Die Regierung möchte mit BHP keinen Ärger bekommen. Sie kümmern sich alle nur um sich selbst. Und wie ich sehe, verbeugen sich die Gewerkschaften ebenfalls vor den Forderungen des Konzerns. Auch bei den Entlassungen machen sie mit. Sie sagen: ,Entlassungen wird es nicht geben, aber wenn eine kleine Abfindung bezahlt wird, dann geht die Sache in Ordnung. Diese Arbeiteruntersuchung ist der einzige Weg, wie wir etwas erreichen können." © neue Arbeiterpresse, Nr. 864, 28. August 1997
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