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Sprengstoffattentat in Sri Lanka tötet Bahnpendler
Von Sarath Kumara
13. Juni 2008
aus dem Englischen (2. Juni 2008)
Am 26. Mai wurde auf einen vollbesetzten Zug in der Bahnstation Dehiwela in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, ein Bombenanschlag verübt. Neun Pendler wurden getötet und etwa 80 verletzt. Die Explosion, die sich um 17:30 Uhr ereignete, traf ausschließlich einfache Arbeiter, die sich auf den Weg nach Hause befanden. Wer auch immer für den Anschlag verantwortlich ist, wollte mit diesem kriminellen Akt kommunalistische Spannungen im Bürgerkrieg anheizen.
Die Regierung in Colombo und das Verteidigungsministerium machten umgehend die separatistischen Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für den Angriff verantwortlich, ohne jedoch Beweise vorlegen zu können. Die Polizei gab an, dass ein 1,5 Kilogramm schwerer Sprengkörper in einer Gepäckablage des fünften Abteils platziert worden sei. Am nächsten Tag berichtete die Polizei, dass sie einen verdächtigen Tamilen verhaftet habe, der in Dehiwela lebt und von der nördlichen Halbinsel Jaffna stammt.
Auch wenn die LTTE die Verantwortung bislang noch nicht übernommen hat, ist sie mit Bestimmtheit dazu in der Lage, einen solchen Anschlag durchzuführen. Sie hat schon früher unschuldige Zivilisten in dem hauptsächlich von Singhalesen bewohnten Süden angegriffen. Im Februar griff ein Selbstmordattentäter den Bahnhof Fort in Colombo an und tötete dabei vierzehn Menschen. Im Juli 1996 führte die LTTE einen Bombenanschlag auf einen Zug nahe Dehiwela aus, der den Tod von mehr als 56 Menschen zur Folge hatte und über 200 Verletzte forderte.
Für einen Anschlag am 23. Mai der einen Kleinbus zerstörte und 16 Zivilisten tötete, darunter vier Kinder unter zwölf Jahren, machte die LTTE eine der verdeckt arbeitenden Sabotageeinheiten des Militärs verantwortlich. Die Explosion ereignete sich im von der LTTE besetzen Territorium in der Nähe von Kilinochchi. Während die Armee jede Verantwortung zurückwies, sind geheime Infiltrationsteams und mit dem Militär verbundene paramilitärische Einheiten die wahrscheinlichsten Verdächtigen.
Möglicherweise führte die LTTE den Bombenanschlag im Bahnhof Dehiwela vom 26. Mai als Vergeltungsmaßnahme durch. Genau wie die herrschenden Klassen Colombos, so ist auch die LTTE tief in der Perspektive des Kommunalismus verstrickt, die pauschal "die singhalesischen Menschen" für den reaktionären Krieg verantwortlicht macht, der von Regierung und Militär geführt wird. Angriffe auf die unschuldige singhalesische Zivilbevölkerung schüren kommunalistische und rassistische Stimmungen und spielen der Regierung direkt in die Hände.
Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Anschlag von Dehiwela von Militärs oder mit ihnen zusammenarbeitenden Paramilitärs durchgeführt wurde. Seit er den Krieg 2006 wieder aufgenommen hat, sieht sich Präsident Mahinda Rajapakse einer wachsenden politischen und wirtschaftlichen Krise gegenüber. Die militärische Offensive im Norden ist nun effektiv zum Stehen gekommen, während die unstabile Koalitionsregierung es mit der zunehmenden Unzufriedenheit über den Krieg und seine Folgen auf die Wirtschaft zu tun bekommt. Preise für Nahrungsmittel, Treibstoffe und andere lebensnotwendig Dinge schießen in die Höhe.
Die Regierung Rajapakse greift zunehmend auf anti-demokratische Maßnahmen zurück, um die Opposition von Medien, streikenden Arbeitern und protestierenden Bauern zu unterdrücken. Da der Notstand ausgerufen wurde, verfügt der Präsident über außerordentliche Befugnisse für Militär und Polizei, wie die Inhaftierung ohne Prozess. Hunderte Menschen sind bereits "verschwunden" oder wurden von der Regierung ergebenen Todesschwadronen getötet.
Das Militär wäre durchaus in der Lage, in Colombo ein Sprengstoffattentat zu begehen, um den ethnischen Hass weiter aufzupeitschen. In den sechs Monaten nach Rajapakses Wahlsieg im November 2005 führten das Militär und die mit ihm verbündeten Paramilitärs eine verdeckte Kampagne im Osten und im Norden, um die LTTE mit Provokationen und Mordanschlägen zu schwächen und zu einem Vergeltungsschlag zu provozieren. Auf diese Weise schuf Rajapakse die Voraussetzungen, um im Juli 2006 offiziell eine Offensive zu eröffnen und im Januar dieses Jahres den Waffenstillstand von 2002 formell aufzukündigen.
Die Einheiten des militärischen Nachrichtendienstes sind für ihre schmutzigen Operationen berüchtigt. Im Februar letzten Jahres verhaftete die Armee Anführer der bisher unbekannten Revolutionären Befreiungsorganisation (Revolutionary Liberation Organisation, RLO). Im Verhör gestanden die Verhafteten angeblich, von der LTTE Ausbildung und Waffen erhalten zu haben und an verschiedenen Bombenanschlägen im Süden beteiligt gewesen sein. Die Regierung und das Militär bezeichneten sie als "singhalesische Tiger" und nutzten den Medienrummel, um von der eigenen Verletzung demokratischer Rechte abzulenken.
Die Meinungsmache ging jedoch schief, als der Sunday Leader und Ravaya enthüllten, dass der militärische Nachrichtendienst in diese Vorfälle verstrickt war. Einer seiner Agenten, "Sharmal", hatte die RLO infiltriert, sich an der Ausbildung der LTTE beteiligt, Waffen und Ausrüstung erhalten und zumindest einen der Anschläge organisiert. Sharmal unterhielt Kontakte zu den höchsten Kreisen. Er war von Wimal Weerawana, dem ehemaligen parlamentarischen Führer der rassistischen Janatha Vimukthi Peramuna (JVP), Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse vorgestellt worden, dem Bruder des Präsidenten.
Mehr als fünfzehn Monate später werden viele angebliche RLO-Mitglieder, von denen einige bei der Eisenbahn arbeiteten, immer noch ohne Anklage festgehalten. Die Regierung benutzte die Inhaftierungen, um die Beschäftigten der Eisenbahn und andere Teile der Arbeiterklasse einzuschüchtern, die für höhere Löhne und gegen geplante Privatisierungen kämpfen.
In zunehmendem Maße handeln die Regierung Rajapakse und das Militär außerhalb des Gesetzes. Praktisch niemand wurde in den letzten beiden Jahren für die ungezählten Morde, das Verschwinden von Menschen und die ungezählten Einschüchterungen Oppositioneller und angeblicher Sympathisanten der LTTE zur Rechenschaft gezogen. Am 22. Mai wurde Keith Noyahr, ein langjähriger Journalist der Nation, entführt, misshandelt und in der Nähe seiner Wohnung wie Müll abgeladen. Er wurde aufgefordert, in Zukunft nicht mehr über den Krieg zu schreiben. Rajapakse kündigte zwar eine Untersuchung an, doch kann man im Voraus sicher sein, dass die Regierung die Sicherheitskräfte nicht ernsthaft mit einer Untersuchung über ihre Beteiligung an dem Vorfall behelligen wird.
Vergangenen Dienstag zitierte Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse die Führer des Journalistenverbandes Working Journalists Association, Poddala Jayantha und Sanath Balasooriya, zu sich, um sie wegen der Berichterstattung über militärische Fragen zu ermahnen. Unverblümt forderte er sie auf, kritische Kommentare und Stellungnahmen über die Regierung und den Krieg zu unterlassen. Verschiedenen Berichten in den Medien zufolge, ließ der Verteidigungsminister den drohenden Hinweis fallen, das den beiden von Personen Schaden drohe, die den Befehlshaber der Armee, General Sarath Fonseka, verehren.
Die Regierung benutzt den Anschlag von Dehiwela, um den Krieg zu rechtfertigen. In einer Pressekonferenz mit ausgewählten Vertretern der Medien erklärte Präsident Rajapakse: "Niemand sollte erwarten, dass aufgrund der verzweifelten Angriffe der LTTE der Kampf gegen den Terrorismus nachlassen wird." Er fügte in hysterischem Ton hinzu: "Greift mich an und verschont Zivilisten, denn ich bin verantwortlich für das, was gegen die LTTE unternommen wurde."
Die Attentäter haben der Regierung, die mit einer breiten Unzufriedenheit über den sinkenden Lebensstandard konfrontiert ist, zu einem günstigen Zeitpunkt eine politische Ablenkung geliefert. Erst letzte Woche wurden die Preise für Benzin, Diesel und Kerosin um 25 Prozent erhöht, was sich zu den Kosten für Transport und für lebensnotwendige Güter addiert. Zwar machen die internationalen Preissteigerungen einen beträchtlichen Teil der Kostenexplosion aus, aber die gewaltigen Militärausgaben treiben die Inflation ebenso hoch, die im April knapp die Marke von 30 Prozent erreichte.
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