Reichster Mann Asiens richtet 152 Millionen Dollar teure Vor-Hochzeit aus: Die Verachtung der Milliardäre für Arbeiter und Arme

Weltweit mangelt es Hunderten Millionen armer Menschen, die ums Überleben kämpfen, an Lebensmitteln und sogar an Wasser. In Indien hat derweil der reichste Mann des Landes, der Milliardär Mukesh Ambani, mehr als 150 Millionen US-Dollar allein für die Pre-Wedding-Feier seines jüngsten Sohnes Anat springen lassen.

Welche Summe Ambani gedenkt, für die eigentliche Hochzeit am 12. Juli auszugeben, bleibt abzuwarten. Im Jahr 2018 gab er rund 100 Millionen Dollar für die Hochzeit seiner Tochter Isha aus, an der unter vielen anderen auch die ehemaligen US-Außenminister Hillary Clinton und John Kerry teilnahmen.

Mukesh Ambani ist laut der Forbes-Liste der zehntreichste Mensch der Erde und der reichste Mann Indiens und Asiens. Er besitzt ein Vermögen von mehr als 116 Milliarden Dollar. Ambanis Unternehmen Reliance Industries ist ein riesiges Konglomerat, dessen Jahresumsatz über 100 Milliarden Dollar beträgt. Das Spektrum seiner Branchen reicht von Petrochemie über Öl und Gas bis hin zu Telekommunikation und Einzelhandel.

Die Familie Ambani besitzt unter anderem ein 27-stöckiges privates Wohnhaus namens Antilia im Wert von einer Milliarde Dollar in Indiens Finanzmetropole Mumbai. Das ist die Stadt, die auch Dharavi, einen der weltgrößten Slums, beherbergt, in dem eine Million Menschen auf nicht ganz 2,4 Quadratkilometern leben. Antilia verfügt u.a. über drei Hubschrauberlandeplätze, eine Garage für 160 Luxuswagen, ein privates Kino, einen Swimmingpool, ein Fitnesscenter.

Die rauschende Sause, die als Pre-Wedding drei Tage lang, vom 1. bis 3. März, andauerte, fand in Jamnagar, der Heimatstadt der Familie, statt. Es ist die Hauptstadt des Bundesstaats Gujarat, und sie hat rund 600.000 Einwohnern. Sie liegt in einer wüstenähnlichen Gegend, wo die Familie auch die bedeutendste Ölraffinerie besitzt.

Die gesamte Veranstaltung war darauf ausgerichtet, den immensen Reichtum und luxuriösen Lebensstil zur Schau zu stellen, welcher der Familie Ambani im Besonderen und den indischen Superreichen im Allgemeinen zu eigen ist. Die Ambanis verschickten Einladungen an fast 1.200 wohlhabende Personen, darunter Milliardäre wie Bill Gates, Gautam Adani, Mark Zuckerberg, Ivanka Trump, Popstar Rihanna und andere.

Die Gäste kamen in gecharterten Jets aus Neu-Delhi und Mumbai und konnten vor Ort die Dienste von Visagisten, Friseusen und Hairstylisten in Anspruch nehmen. Laut der Flughafenbehörde von Jamnagar trafen allein zu der Veranstaltung rund 130 Flüge ein. Videos von der Feier gingen auf Facebook und Instagram viral und wurden auch in den großen Nachrichtendiensten gezeigt.

Laut Reuters wurde den Gästen eine detaillierte, neunseitige Kleiderordnung an die Hand gegeben. Diese sah unter anderem ein „Dschungelfieber“-Thema vor, sowie ein weiteres Thema mit „schillernden“ indischen Gewändern. Den Tausenden Gästen wurden drei Tage lang üppige Cocktail- und Dinnerpartys serviert, die sie in aufwändig dekorierten Zelten in der Luxussiedlung Reliance Greens genießen konnten. Sie konnten aus 2.500 Gerichten wählen, die von mehr als 100 Köchen zubereitet wurden. Allein das Catering soll 25 Millionen Dollar gekostet haben.

Social-Media-Videos von der opulenten Feier zeigen, wie wenig die Superreichen die miserablen Lebensbedingungen von Millionen von indischen Arbeitern und Armen interessiert. In einem solchen Video ist beispielsweise zu hören, wie Meta (Facebook)-Chef Mark Zuckerberg und seine „philanthropische“ Frau Priscilla Chan sich lobend über die Luxusuhr von Ambanis Sohn Anant äußern, die eine Million Dollar gekostet haben soll. „Wissen Sie, ich wollte mir eigentlich nie eine Uhr zulegen“, sagte der amerikanische Multimilliardär, „aber nachdem ich das gesehen hatte, dachte ich: Uhren sind doch cool.“

Weltbekannte Hollywood-Prominente tanzten und feierten mit den Ambanis, und niemand kümmerte sich drum, was mit Hunderten von Millionen armer Menschen außerhalb ihrer Reicheninsel der Glückseligen passiert. Die Popsängerin Rihanna erhielt für ihren Auftritt während der Feierlichkeiten eine Summe irgendwo zwischen 8 und 9 Millionen Dollar.

Die ganze Veranstaltung war Ausdruck der völligen Gleichgültigkeit, mit der die kapitalistische Elite Indiens die Notlage von mehr als einer Milliarde Arbeiter und Unterdrückten im Land betrachtet. Ohne Zweifel befand sich unter den Eingeladenen auch der indische Premierminister Narendra Modi. Er vermied es jedoch aus rein taktischen Gründen, an der dreitägigen Fete teilzunehmen. Eine so offene Identifikation mit Indiens Superreichen hätte ihm und seiner hinduistischen Bharatiya Janatha Party schaden können.

Modi und die BJP darauf hoffen, in den Parlamentswahlen, die in Indien vom 19. April bis 1. Juni stattfinden sollen, ihre Machtposition zu erhalten. Die Kongresspartei und andere Oppositionsparteien pflegen Modis Vetternwirtschaft anzuprangern und mit dem Finger auf seine starke Unterstützung für Ambani und den zweitreichsten Milliardär Indiens, Gautam Adani, zu zeigen.

Dennoch war die Schirmherrschaft der Modi-Regierung für die extravagante Veranstaltung unübersehbar. Der New York Times zufolge verwandelte die Regierung den kleinen Inlandsflughafen von Jamnagar mit öffentlichen Geldern in einen ausgewiesenen internationalen Flughafen und machte so den Weg für die Gäste frei, die dort in ihren Privatflugzeugen landen konnten. Darüber hinaus wurde, wie die Times berichtet, „der staatliche Flughafen erweitert und das Personal aufgestockt, und die indische Luftwaffe setzte zusätzliches Militärpersonal ein – alles im Dienste eines Events für eine einzige Familie“.

Menschen an den Garküchen im Gedränge eines Markts in Neu-Delhi, Indien [AP Photo/Altaf Qadri]

Dank Modis Politik, die die Investoren begünstigt und die Arbeiter unterdrückt, haben die Milliardäre ihren Reichtum vervielfacht. Ambani ist dafür ein sprechendes Beispiel. Im Jahr 2014, als Modi erstmals an die Macht kam, betrug Ambanis Vermögen 23,4 Milliarden US-Dollar. Heute besitzt er beinahe das Fünffache. Die New York Times weist auf Ambanis Kontrolle über die Telekombranche hin. Der Milliardär hat seit Modis Amtsantritt dort stark investiert und „besitzt heute mehr als 70 Sender, darunter Indiens größtes Medienkonglomerat, die wöchentlich von 800 Millionen Zuschauern verfolgt werden“. Im Gegenzug „betonen viele dieser Medien Herrn Modis Qualitäten und überhäufen ihn mit Lob.“

Unter der Regierung Modi, die nun eine dritte Amtszeit anstrebt, sind Indiens Reiche auf Kosten von Milliarden von Arbeitern und Armen noch reicher geworden. Im World Inequality Report 2022 heißt es: „Indien gehört zu den ungleichsten Ländern der Welt.“ Oxfam fand heraus: „Die reichsten 10 Prozent besitzen in Indien mehr als 72 Prozent des Gesamtvermögens; die obersten 5 Prozent besitzen fast 62 Prozent des Gesamtvermögens und das reichste Prozent Indiens besitzt fast 40,6 Prozent des Gesamtvermögens.“

Der Milliardär Gautam Adani, der bis vor wenigen Wochen (als Ambani ihn verdrängte) als der reichste Mensch Asiens galt, ist jedenfalls auch ein Anhänger Modis. Oxfam schreibt: „Allein Adanis Vermögen hat sich während der Pandemie verachtfacht, und im Oktober 2022 konnte er es auf fast 11 Lakh Crore (132,48 Milliarden Dollar) nochmals fast verdoppeln, was ihn zum reichsten Inder machte.“

Die Situation für arme Menschen ist davon himmelweit entfernt. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die untere Hälfte der indischen Bevölkerung laut Oxfam weiter an Einkommen und Vermögen eingebüßt. Bis 2020 sank ihr Anteil auf schätzungsweise nur noch 13 Prozent des Nationaleinkommens und weniger als 3 Prozent des Gesamtvermögens. „Die Folgen sind eine außergewöhnlich schlechte Ernährung, hohe Schulden und mehr Todesfälle“, heißt es in dem Bericht.

Mit 228,9 Millionen Menschen weist das Land nach wie vor die weltweit höchste Zahl an verzweifelt armen Menschen auf. Auf der anderen Seite stieg die Gesamtzahl der Milliardäre in Indien von 102 im Jahr 2020 auf 166 im Jahr 2022. Das Gesamtvermögen der reichsten Inder beläuft sich auf 54.120 Milliarden Rupien (630 Milliarden Dollar). Allein das Vermögen der 10 reichsten Inder liegt bei 27.520 Milliarden Rupien (332 Milliarden Dollar), was einem Anstieg von 32,8 Prozent gegenüber 2021 entspricht.

Während die Ambanis und andere indische Milliardäre ihren gigantischen Reichtum feiern, rangiert Indien im Bericht zum Welthungerindex 2023 auf Platz 111 von 125 Ländern. Zu den wenigen Ländern, die noch weiter hinten liegen, gehören Afghanistan, der Kongo, der Jemen und der Sudan. Und nicht nur das: Indien gehört zu den 40 Ländern der Welt, in denen das Ausmaß des Hungers als „ernst“ bezeichnet wird. Im selben Bericht heißt es auch, dass Indien mit 18,7 Prozent weltweit die höchste Rate an „Wasting“ bei Kindern aufweise, das heißt an Kindern mit zu niedrigem Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße, was auf akute Unterernährung hindeutet. Gleichzeitig ist die Anämieprävalenz bei Frauen im Alter von 15-24 Jahren ein großes Problem. In Indien sind mehr als 50 Prozent der Frauen und heranwachsenden Mädchen anämisch. Das ist eine der höchsten Raten weltweit.

Dies sind nur einige wenige Indikatoren, die auf die extreme Armut der arbeitenden Bevölkerung und der Unterdrückten in Indien hinweisen. Doch die Modi-Regierung und die indische Elite kümmern sich nicht um die Hunderte Millionen Menschen, die unter solchen Bedingungen leiden. Dieselbe herrschende Elite hat zugelassen, dass Covid-19 über eine völlig ungeschützte indische Bevölkerung hereingebrochen ist und schätzungsweise 5 bis 6 Millionen Menschenleben gefordert hat.

Eine dermaßen gigantische Anhäufung von Reichtum in Händen weniger Milliardäre kann nicht länger geduldet werden. Diese Mittel müssen genutzt werden, um endlich die miserablen Lebensbedingungen von Hunderten Millionen indischer Arbeiter und Armen zu verbessern. Dies kann nur durch eine sozialistische Revolution der indischen Arbeiterklasse geschehen, an ihrer Seite die arme Landbevölkerung, um die bürgerliche Herrschaft zu stürzen und im Rahmen des internationalen Kampfs für Sozialismus die Macht zu übernehmen.

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